Aktuelles:
Die "Könzgenstraße - Straße der Kunst" ist Geschichte.
Sechs Wochen lang haben die Anwohner der Könzgenstraße und Am Silberknapp in ihren Vorgärten bildende Kunst ausgestellt und greifbar gemacht. Viele Kunstinteressierte sind in unsere Straße geführt worden, und auch Viele, was uns besonders freut, die von sich selbst behaupten, keinen rechten Zugang zur Kunst zu haben. Aber die lockere, unverfänglicher Atmosphäre einer Straße, in welcher man ohne offen gezeigten Sachverstand flanieren kann, sie machte neugierig und regte auch zu Diskussionen an - das war u. a. auch unser Ziel. Ob es jemals eine Wiederholung geben wird, oder die Kunstmeile gar eine feste Institution wird, ist noch nicht entschieden.
Das allgemeine Echo, sowohl von Privatpersonen als auch von den Medien, ist einhellig positiv bis überwältigend. Wir sind sicher, mit diesem einzigartigen Weg der Präsentationen von Künstlern und Kunstwerken den richtigen Weg beschritten zu haben. Dies sollte auch anderen Mut machen, in ihrer Straße, in ihrem Viertel, auf ihrem Kiez ein ähnliches Projekt zu versuchen. Kunst gehört in den öffentlichen Raum und nicht verschlossen hinter Museumstüren, denn Kunst wird von Menschen für Menschen gemacht und nicht von Künstlern für Museen. Darum waren auch bei uns die Künstler glücklich, einer solch großen Besucherzahl ihre Werke präsentieren zu können - nicht jeder Besucher hätte sich für die Arbeiten interessiert, wenn die Präsentation nicht so zwanglos gewesen wäre.
Die Westfälischen Nachrichten berichteten am 21. Juni 2011 auf ihrer Seite "Westfalen":
Gucken, staunen, fühlen, deuten

Marlis Müller mit Peter Bolles „Wächter von Ypern“ (oben) und von links nach rechts im Uhrzeigersinn: die Flechtwand aus Eichenpfählen der Künstlerin An Hard, die „Brunnensäule“ und Segelschiffe des Dülmener Keramikkünstlers Detlef Kunen, eine Drahtskulptur von Uta Krueger-Naumann („Willkommen“) sowie in der Mitte die Installation „Drei oder Nachbesprechung II“ von Helmut Berka, Fotos:
(Jürgen Peperhowe)
Dülmen - Gespenstisch sehen sie aus, jene drei hohen Gestalten, die einander - wie zum intimen Flüstergespräch - die hagren Köpfe zuneigen. Schwarz-humorig bringt´s der Werkstitel auf den Punkt: Nachbesprechung II. Bei der ersten, ja, „da waren die wohl noch am Leben“, sagt Rüdiger G. Behrens über die Lämmerschädel auf hölzernen Stecken. Und ganz, ganz kurz spielt ein kleines Lächeln um seine Mundwinkel.
Zu gucken, zu staunen, zu befühlen und zu deuteln gibt es dieser Tage in Dülmens Könzgenstraße so einiges. Haben sich die 32 Anwohner doch Kunstwerke in ihre Vorgärten geholt, die die Straße zum Erlebnis, die Gärten zur (Freiluft-)Museumsmeile machen. 600 Wissbegierige gaben sich bereits beim Auftakt am 4. Juni ein Stelldichein. „Seither“, schätzt der Initiator, „waren´s sicher tausend“, die allein oder in Grüppchen zwischen den Exponaten aus Ton, Metall, Holz, Keramik, Papier, Glas, Sandstein und Marmor die Seele baumeln ließen.
Und sogar Hand anlegten, denn: Man darf sie anfassen, diese Skulpturen. Darf Räder drehen an der schneeweißen Installation der Künstlergruppe H2N. Glieder biegen an Uta Krueger-Naumanns Figur aus Rödeldraht. Marlis Müller aus Hausnummer 2, sie nimmt ihren bärtigen Fichtenholz-Kauz (fürs Foto) gar fest in die Arme. Und man spürt: Sie mag Peter Bolles „Wächter von Ypern“ so gar nicht mehr hergeben. „Tja“, sagt die brünette Dülmenerin mit einem Augenzwinkern, „wenn mein Mann das erlaubt, dann kaufen wir ihn.“
Zehntausende Euro, schätzt Initiator Behrens, sind allein die im Gras liegenden Bronzefiguren im hinteren Teil der Straße wert. Doch fürchte er gar nicht mal, dass die von Kunstkennern geklaut würden. Eher noch, „dass vielleicht einer der Schrottsammler die auf seinen Wagen lädt.“ Sagt´s - und man weiß nicht recht, ob er eventuell zu scherzen beliebt. Woher dem Publizisten die Idee kam, die Könzgen- zur Straße der Kunst zu machen - womöglich von oben? Der Mann mit Fliege und Baskenmütze vermag´s nicht zu sagen. „Woher kommen gute Ideen?“, fragt er gegen. Und es klingt nicht wirklich wie eine Frage. Richtig Spaß jedenfalls hätten bereits die ersten zwei Wochen gemacht, und zwar allen Beteiligten: Anwohnern, Besuchern und den Künstlern aus ganz Deutschland, die sich im Vorfeld via Internet „ihren“ Vorgarten hatten aussuchen dürfen. Denn, klar, die Chemie sollte stimmen zwischen jenen, die Kunst schaffen und auf Zeit verleihen - und solchen, die vier Wochen lang durch ihre Fenster und Haustüren draufschauen (müssen).
Liliane, Marleen und Annika (16) sind heute von der nahen Hauptschule herübergeschlendert und finden den Keramik-Harlekin der Künstlerin Maria Bockey (die selbst in der Straße wohnt) unisono: „süß!“. Auch sind sie spontane Fans der Arbeiten Peter Bolles, dessen Ypern-Wächter womöglich bald auf Dauer bei Marlis Müller einzieht. „So etwas Filigranes mit einer Kettensäge zu zaubern“, das beeindruckt nicht nur die drei Dülmener Mädels.
VON JULIA GOTTSCHICK, MÜNSTER
Aktualisiert (Sonntag, den 25. Dezember 2011 um 19:00 Uhr)